Expertenwissen

Einkaufserlebnisse erwünscht

Der Lebensmittelkauf bleibt auch mittelfristig für die meisten offline

Nur jeder Fünfte nutzt Lieferdienste für Lebensmittel. „Der Onlinehandel für frische Lebensmittel“, eine aktuelle Umfrage von TERRITORY, hat Zahlen zu den Vorbehalten der Verbraucher gegenüber dem digitalen Lebensmittelkauf geliefert. Die Hälfte der knapp 10.000 Befragten möchte auch in Zukunft seine Lebensmittel klassisch  „im Laden“ einkaufen. Sie erwarten vor allem, dass ihre Qualitätsansprüche an die Waren nicht erfüllt würden. Oliver Meyer-Leive, Teamleiter Verkauf Fachmarkt bei LÜHRMANN, schätzt die Entwicklung des Online-Shoppings im Bereich Lebensmittel folgendermaßen ein.

Wird der Online-Kauf von Lebensmitteln Ihrer Meinung nach in naher Zukunft beliebter werden?
Nein, wird er nicht. Der Marktplatz-Charakter ist beim Kauf von Lebensmitteln ganz zentral. Der Verbraucher möchte etwas erleben, sich inspirieren lassen und die Qualität der Produkte möglichst mit allen Sinnen überprüfen können. Das ist online in dem Maße nicht machbar.

Ist das bei allem Produktgruppen gleich?
In Deutschland wird traditionell bei Fleisch, Fisch sowie Käse viel Wert auf Beratung und Prüfung vor Ort gelegt. Bei Obst und Gemüse ist das häufig auch so. Die sensorische Überprüfung ist bei diesen Waren am wichtigsten. Abgepackte Produkte, die nicht probiert, abgewogen oder gekühlt werden müssen, werden schon seit einiger Zeit online gut verkauft, zum Beispiel Wein oder Kaffee.

 

Verbraucher möchten sich beim Einkauf inspirieren lassen und die Qualität der Lebensmittel überprüfen.

Vorräte werden also durchaus online bestellt?
Genau. Produkte, die nicht so schnell verderben werden auch jetzt schon gern in Online-Shops bestellt. Ein Punkt der dafür ebenfalls entscheidend ist, ist die Zeit. Auf online-bestellte Waren muss man meistens wenigstens bis zum nächsten Tag warten. Lebensmittel werden aber häufig aus einem Impuls heraus gekauft. Wenn man Appetit auf Schokolade oder Chips hat, soll der möglichst schnell gestillt werden – nicht erst morgen. Lebensmittel sind häufig auch kleine Belohnungen im Alltag.

Wie lautet Ihre Prognose für die Entwicklung des Onlinehandels für Lebensmittel?
Wir können beobachten, dass der Lebensmitteleinzelhandel verstärkt in den Innenstädten Flächen anmietet. Dieser Trend wird noch zunehmen. Dort gibt es dann hauptsächlich frische und Convenience-Produkte, die man zum Beispiel direkt in der Mittagspause verzehrt. Der Kunde wird in diesen Läden aber eher keine Wocheneinkäufe erledigen. Dafür wird es weiterhin Fachmarktzentren und großflächigen Lebensmitteleinzelhandel in Innenstadtnähe geben, sogar mit zunehmender Anzahl.

 

Bei Lebensmitteleinzelhändlern in den Innenstädten werden hauptsächlich frische Waren und Convenience-Produkte gekauft.

 

Eine Entwicklung in zwei Richtungen also?
Ja, so ist es. Daneben ist Cross-Channeling ein großes Thema. Auch kleinere, regionale Händler setzen dort an und bieten ihren Kunden diesen zusätzlichen Service. Sie haben den großen Playern zudem häufig zwei Punkte  voraus: die räumliche Nähe und somit kurze Lieferwege sowie oft schon erworbenes Vertrauen der Kunden. Und zwar durch ihre qualitativ hochwertige Beratung.

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