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Sind wir alle ein bisschen Bullerbü?

So überträgt sich die „Schwedenliebe“ auf den Einzelhandel

 

IKEA und H&M sind aus dem täglichen Leben der Deutschen nicht mehr wegzudenken. BILLY, KLIPPAN und POÄNG haben bei den meisten schon einmal eine Rolle gespielt und auch das ein oder andere Shirt von Hennes & Mauritz wird sich in einer Vielzahl von PAX-Kleiderschränken schon befunden haben.

Beide Filialisten sind große Vorbilder für eine gelungene Expansion auf dem deutschen Markt. Neben diesen beiden etablierten Konzepten drängen aktuell verstärkt weitere skandinavische Ketten in die deutschen Einzelhandelslagen. Häufig beginnt die Expansion logistisch sinnvoll im Norden. Beispielsweise Stadium startete 2014 in Hamburg, Clas Ohlsen zwei Jahre später ebenfalls. Und das gleich jeweils mit Flagship-Stores. Besonders Anbieter von Möbeln und Wohn-Accessoires, beispielsweise Søstrene Grene und Tiger, treten aktuell verstärkt auf den Plan. Und auch die Filialen der Möbelanbieter Bolia und BoConcept findet man immer häufiger in den Randlagen großer Einkaufsstraßen.

 

Woher kommt das Bullerbü-Syndrom?

Skandinavische, besonders schwedische, Produkte erfahren seit ein paar Jahren einen Nachfrage-Boom in Deutschland. Doch woher rührt diese Affinität zu den nordischen Ländern? Denkt man an Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland tauchen beeindruckende Natur, schnuckelige Häuser und ein entspanntes Leben vor dem inneren Auge auf. Statistiken haben es mehrfach bestätigt: Die Lebensqualität in Skandinavien ist sehr hoch. Und wirtschaftlich sind die Länder auch ganz vorn. Schön, friedlich und sozial mit schöner Natur, das scheint Skandinavien zu sein. So hat Astrid Lindgren es in „Bullerbü“ auch schon gezeigt. Der Wunsch nach heiler Welt, Ruhe und Entschleunigung scheint sich also in der „Skandinavisierung“ wiederzufinden. Neben Reisen in diese Länder, bieten sich Mode und Wohn-Accessoires besonders an, um ein Stück „Bullerbü“ im eigenen Leben zu platzieren.

 

Hotspot Hamburg

Mai 2016: Clas Ohlson feiert im Gebäude des ehemaligen Premierenkinos Streit´s am Jungfernstieg die Eröffnung der ersten Niederlassung in Deutschland. Bereits wenige Monate später, im September folgte die zwei Filiale in Altona. Ende November kam der dritte Standort im Einkaufszentrum Alterstal hinzu. Auf Verkaufsflächen von rund 1.800 Quadratmetern werden Haushaltswaren von Kaffeefiltern bis zu Rasenmähern angeboten. Mehr als 200 Filialen betreibt Clas Ohlson mittlerweile in Europa.

Hamburg war auch für den Sportartikelanbieter Stadium der Startpunkt der Deutschland-Expansion. Zuvor war das Unternehmen mit 150 Filialen ausschließlich in Skandinavien aktiv. Ende des Jahres 2014 eröffnete Stadium mit 2.800 Quadratmetern auf zwei Etagen an der Mönckebergstraße.

Das dänische Einrichtungshaus Søstrene Grene hat bereits sechs Shops in der Hansestadt, wiederum die deutschlandweit ersten Filialen. In der Hamburger Meile, im Alstertal-Einkaufszentrum, im Phoenix-Center und auch im Elbe-Einkaufszentrum sind die „Schwestern Grene“ nun vertreten.

Am Neuen Wall ist im November vergangenen Jahres Illums Bolinghus, das dänische Wohn-Design-Kaufhaus, auf dem deutschen Markt gestartet. 1.500 Quadratmeter verteilt auf drei Etagen werden bespielt.

 

Erfolgreiche Schweden-Looks

Einen plötzlichen Hype erlebt(e) die Outdoor-Marke Fjällräven. Die an Tornister erinnernden Rucksäcke sieht man nahezu überall. Wie es dazu kam wisse er selbst nicht, hat Geschäftsführer Martin Axelhed im vergangenen Sommer der FAZ berichtet. Es habe keine Marketingkampagne gegeben. Verschiedene Gruppen hätten an verschiedenen Orten auf der Welt plötzlich die Rucksäcke (wieder) für sich entdeckt. Der Rucksack „Kanken“, der Klassiker schlechthin und vom Gründer Ake Nordin bereits 1978 entwickelt, hat sich in seinem Design über die Jahre übrigens nur minimal verändert.

Die schwedischen Modelabels entwerfen ohnehin in der Regel schlichte Stücke, während es aus Dänemark eher verspielte Looks gibt.

 

Wie ist die Lage? – drei Fragen an Friederike Raab, Consultant Vermietung

  • In welchen Produkten zeigt sich das „Bullerbü-Syndrom“ besonders?
    Aktuell macht sich der Trend besonders im Möbel- und Wohnaccessoires-Bereich bemerkbar. Die eigenen vier Wände waren uns schon immer wichtig. Die Art und Weise wie wir sie gestalten, hat in den letzten Jahren aber noch an Stellenwert gewonnen. Der skandinavische Lebens- und Einrichtungsstil steht sinnbildlich für Begriffe wie Freiheit, Sorglosigkeit und Einfachheit – das spricht viele Menschen an.

  • Gibt es da ein paar Beispiele?
    Aufstrebende Labels wie Søstrene Grene, Tiger und Granit machen sich diesen Trend zu nutze und bieten eine breite Palette von Artikeln an, die unser Zuhause noch wohnlicher machen sollen. Längst etablierte Marken wie H&M sind allerdings nicht weniger aktiv. Der Textilgigant erfindet sich immer wieder neu und platziert weiter erfolgreiche Konzepte wie & other Stories und Cos. Der erste Store von Arket in Deutschland wurde ja gerade in München eröffnet, sehr spannend, wie sich das entwickeln wird.

  • Was bedeuten der Erfolg und die Zunahme der Expansion skandinavischer Marken für LÜHRMANN?
    Unsere Aufgabe ist es, Trends früh zu erkennen und Kontakte aufzubauen. So können wir den jungen Labels bei den ersten Schritten auf dem deutschen Markt unterstützend zur Seite stehen und schlussendlich die passende Fläche vermitteln. Genauso wichtig ist es aber auch, frühzeitig zu erkennen, wenn ein Label sich nicht etablieren wird.

 

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