Menschen

Kontrastreiches Ruhrgebiet

Gründergeist und Aufbruchstimmung im Pott

Julius Brockmann bloggt auf www.ruhrwohl.de über Food, Fotografie, Wohnen und das Ruhrgebiet.

 

Der Regionalverband Ruhr möchte das Ruhrgebiet als „Stadt der Städte“ positionieren. Julius hat auf seinem Blog Ruhrwohl die Imagekampagne unter die Lupe genommen. Mit LÜHRMANN hat er über seine Eindrücke vom Pott gesprochen.


Seit wann lebst du im Ruhrgebiet und was hat dich dorthin verschlagen?
Ich wohne seit Ende 2010 im Ruhrgebiet. Nach meinem Studium in Erlangen hatte sich meine WG dort aufgelöst und da ich wusste, dass ich gerne aus Franken wegziehen würde, habe ich die Chance genutzt. Ich hatte zwar noch keinen Job, wollte aber nicht innerhalb der Stadt noch einmal umziehen. Vor allem, weil der Mietmarkt dort sehr angespannt war. Ich bin dann mehr oder weniger zufällig nach Bochum gekommen.

 

Das Deutsche Bergbau-Musem in Bochum (Foto: Julius Brockmann)

 

Mit welchem Bild vom Ruhrgebiet bist du damals nach Bochum gezogen?
Ich kannte das Ruhrgebiet kaum und hatte nur aus dem Schulunterricht noch so Schlagworte wie Strukturwandel und Industriekultur im Kopf. Im ersten halben Jahr habe ich mich auch sehr schwer getan mit dem Pott. Auf den ersten Blick ist es hier nicht besonders schön. Es gibt kaum hübsche Altstädte, dafür überdurchschnittlich viele Arbeitslose und Stadtteile, die aufgrund knapper Kassen und armer Bewohner sehr ungepflegt aussehen. Das hat mich am Anfang sehr gestört. Man muss im Ruhrgebiet wissen, wo es schön ist, man kann nicht einfach loslaufen und findet an jeder Ecke Glück und Sonnenschein.


Was gefällt dir besonders und was gefällt dir überhaupt nicht am Ruhrgebiet?
Mir gefallen die Gegensätze, die vielen Grünflächen und Parks, die hügeligen Stadtteile an der Ruhr, das umfangreiche Kultur- und Freizeitangebot und letztlich der Schlag Menschen. Ich habe sie immer als offen, sehr direkt, aber auch herzlich erlebt. Was mir weniger gefällt ist das Kirchturmdenken der örtlichen Politiker. Ich glaube, dass Ruhrgebiet könnte sehr viel attraktiver sein, wenn es als Einheit aufträte. Ich halte es zum Beispiel für überflüssig, dass fast jede Stadt ihr eigenes Nahverkehrsunternehmen hat und eine komplette Verwaltung mit allem drum und dran.

 

Einst der Gär- und Lagerkeller der Dortmunder Union Brauerei, heute Zentrum für Kunst und Kreativität: das Dortmunder U
(Foto: Julius Brockmann)

 

Stichwort Metropole Ruhr: Was hat sich in deinen Augen in den vergangene Jahren am meisten im Ruhrgebiet verändert?
Vom Stadtbild her haben sich zum Beispiel die Bochumer und die Essener Innenstadt schon gewandelt. Große Filialisten sind weggezogen, dafür hat die Ruhruni Gebäude in der Innenstadt bezogen, die Bochumer Fußgängerzone wurde saniert usw. Das wird vermutlich in den nächsten Jahren noch um einiges heftiger, wenn Teile der Bochumer Innenstadt abgerissen werden wie das alte Justizzentrum, das Gesundheitsamt und auch die Musikschule. Aber neben diesen harten sichtbaren Veränderungen spüre ich auch mehr Gründergeist und eine gewisse Aufbruchstimmung. Außerdem ist der Pott keine reine SPD-Hochburg mehr. Auch das ist eine Veränderung, die in den letzten Jahren sichtbar wurde.

 

Villa Hügel, das ehemalige Wohn- und Repräsentationshaus der Familie Krupp (Foto: Julius Brockmann)

 

Dein Tipp für einen Tagesausflug?
Im Sommer bin ich gerne an der Villa Hügel und dem Baldeneysee. Das ehemalige Wohnhaus der Familie Krupp ist echt imposant und die Geschichte des Gebäudes interessant. Aber auch der Park drumherum und der See am Fuße des Hügels gefallen mir gut.


Wo gehst du im Ruhrgebiet am liebsten shoppen?
Ich gehe gerne in der Essener Innenstadt einkaufen. Aber auch die kleineren Läden auf der Rü sind immer einen Ausflug wert.

 

Vielen Dank für deinen Einschätzungen und Tipps!

 

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