Stadtgespräche

Die Fußgängerzone feiert Geburtstag

65 Jahre sind seit Entstehung der ersten Fußgängerzone vergangen

Andreas Grüß

Andreas Grüß, Geschäftsführer von LÜHRMANN Osnabrück, schätzt die heutige Lage der ersten offiziellen Fußgängerzone ein.

 

Treppenstraße erlebt Lageverschiebung

„Die Treppenstraße war einst der Anlaufpunkt vieler regionaler Einzelhändler, heute ist die Nachfrage nach Ladenlokalen hier eher mäßig.“ Die Obere Königsstraße, in dem Bereich zwischen Müller Drogerie und Galeria Kaufhof, sei heute die Toplage, die sogenannte 1A-Lage der Stadt. Diese Lageverschiebung sei unter anderem mit der charakteristischen Treppe als eine Art Hindernis und den nicht markgerechten Ladenlokalen zu begründen.

Der Einzelhandelsstandort Kassel hat in den vergangenen Jahren an Attraktivität für nationale und internationale Filialisten gewonnen. Jahr für Jahr nimmt die Relevanz des Oberzentrums zu: Die Umsatzkennziffer liegt bei 138,69 pro Einwohner, das entspricht einem durchschnittlichen Einzelhandelsumsatz von 8.424 Euro. Die zentrale Lage der Stadt spiegelt sich in der Zentralitätskennziffer, die Kaufkraft und Umsatz in Relation zueinander setzt, wider. Sie entspricht aktuell 144, das ist ein überdurchschnittlich hoher Wert.

Kassel entwickelt sich auf gutem Niveau

„Wir gehen davon aus, dass sich die 1A-Lage in Kassel auch weiterhin stabil, auf gutem Niveau weiterentwickelt“, sagt Grüß. Wichtige Indikatoren dafür wären, dass es im nahen Umfeld keinen relevanter Mitbewerber gäbe und die guten Passantenfrequenzen in der Stadt die relativ schwache Kaufkraft von 96,32 kompensieren würden.

Die Fußgängerzone im Wandel

Eingeweiht wurde die erste offizielle Fußgängerzone 1953. Erst 14 Jahre später, im Jahr 1967, folgte in Oldenburg ein Areal, das mehrere Straßen umfasste, die für den Autoverkehr nicht zugelassen war. Die Fußgängerzonen entwickelten sich von reinen Einkaufsmöglichkeiten zu einem Aufenthaltsort für die Bürger und Besucher. Vor 65 Jahren waren es überwiegend lokale und regionale Unternehmen, die in den Städten ihre Waren und Dienstleistungen angeboten haben. Heute sind nur noch vereinzelt inhabergeführte Geschäfte in Mittel- und Großstädten zu finden – dafür umso mehr nationale und internationale Filialisten.

65 Jahre Fußgängerzone

Diese Entwicklung ist keineswegs eine neue: Bereits in den 1980er Jahren begann die „Deichmannisierung“, wie die zunehmende Filialisierung in der Branche genannt wird. Mit steigender nationaler und internationaler Expansion haben sich auch die Anforderungen an Größe und Ausstattung der Ladenlokale gewandelt: In Kassel besteht laut Grüß die größte Nachfrage nach Ladenlokalen zwischen etwa 100 bis 350 Quadratmeter. „Für die Mieter wird es zunehmend unumgänglicher, dass die Flächen ohne Treppen zu erreichen sind, idealerweise keine Säulen die Fläche verstellen und Deckenhöhen von 3,50 bis vier Meter vorhanden sind. Am beliebtesten sind Ladenlokale, die ein gutes Verhältnis von Front und Fläche aufweisen, der klassische Schuhkarton“, so Grüß.

Kassel, 65 Jahre Fußgängerzone

Das könnte Sie auch interessieren

Sorgfältig recherchierte Indikatoren wie Filialisierungsgrad, > mehr
20 Unternehmen haben sich Mitte November an der Hochschule in > mehr
Im Kö-Bogen haben André Michel, Senior Consultant in der Vermietung > mehr
65 Jahre nach ihrer Entstehung scheint die Fußgängerzone mancherorts > mehr